Künstler fotografieren? Keine Kunst.

Konzertfotografie wird gern als Königsdisziplin der Pressefotografie bezeichnet. Das ist natürlich Quatsch. Aber immer wieder versuchen Fotografen, die es entweder selbst nicht auf die Reihe bringen oder sich als etwas Besonderes, einen Ausnahmefotografen, hinstellen wollen, diesem Genre der Fotografie diesen Nimbus anzuhängen. Jeder einigermaßen begabte Pressefotograf kann auch ein Konzert fotografieren. Andererseits gibt es bei Konzerten einige Unwägbarkeiten, auf die man sich allerdings vorbereiten kann. Und auch sollte.

Lassen wir mal die Konzerte der Großen des Business außer acht. Bei denen darf man meist nur während der ersten drei Songs - also die ersten zehn bis 15 Minuten - des Konzerts fotografieren. Danach fliegen die Fotografen meistens raus. Das sind Anweisungen des Künstlers, die der Veranstalter, der ja Hausrecht hat, umsetzt.

Daher mag ich es, Konzerte lokaler Bands oder Auftritte in kleineren Städten zu fotografieren. Dort gibt es meist keine Zeitbeschränkungen und man hat als Fotograf der Lokalzeitung viel Bewegungsfreiheit rund um die Bühne. Ist es das Konzert eines Künstlers, den man persönlich kennt, hat der Fotograf alle Vorteile eines Heimspiels. Oder sowas wie Narrenfreiheit.

Als erstes muss man bedenken, dass bei einem Konzert nur das Bühnenlicht für den Fotografen zu Verfügung steht. Das ist einerseits problematisch, denn es verlangt offene Blende und hohe ISO-Werte. Anderseits ist es grade das Bühnenlicht, das aufregende und interessante Effekte verursacht. Wobei man darauf achten sollte, dass die Sensoren digitaler Kameras häufig Probleme mit rotem Bühnenlicht haben. Wenn es sich einrichten lässt, sollte man das meiden.

Neben dem kontrastreichen Bühnenlicht - ich setze voraus, dass jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema Bühnenfotografie beschäftigt, weiß, dass nicht geblitzt wird - ist der Wechsel des Lichts von grell zu gedimmt und in unterschiedlichen Farben eine Herausforderung. Bühnenfotografie ist available light Fotografie pur. Das bedingt, dass der Fotograf nicht nur eine ruhige Hand braucht, denn die Belichtungszeiten können durchaus die 1/60 Sekunde mal unterschreiten. Gleichzeitig sollte man genau das möglichst vermeiden. Schließlich bewegen sich Musiker auf der Bühne. Und das nicht zu knapp. Eine Zeit-Blende-ISO-Kombination, mit der man Bewegungsunschärfen grade noch vermeiden kann, bietet sich daher an.

Objektive mit Lichtstärken nicht höher als 2,8, Belichtungszeiten möglichst nicht unter 1/100 Sekunde und ISO-Einstellungen zwischen 3200 und 6400 sind die technischen Parameter, die ich bei Bühnenfotos nutze. Um aus den Fotos bei der anschließenden Bearbeitung das Optimale herausholen zu können, ist es fast Pflicht, im jeweiligen Raw-Format der Kamera zu fotografieren.

Das Raw-Format, das Negativ eines digitalen Bildes, enthält sämtliche Bild- und Farbinformationen. Mit einem so genannten Raw-Konverter (zum Beispiel Lightroom) lassen sich diese Bildinformationen wie einst bei der analogen Fotografie in der Dunkelkammer, wo mit Papiergradiation, Entwickler, Entwicklungszeit hantiert wurde, herausarbeiten. Mit dem jpg-Format geht das nicht.

Natürlich spielt auch die technische Ausstattung eine entscheidende Rolle. Kompaktkameras eigenen sich bedingt, denen fehlt einfach die Abbildungsqualität und deren Objektiven die Lichtstärke. Meist bieten sie auch kein Raw-Format an. Andererseits werden diejenigen, die sich mit dem Thema beschäftigen, schon fotografische Erfahrung haben und wissen, dass sich ein Smartphone nicht eignet, insbesondere in diesem Genre qualitative hochwertige Fotos zu produzieren. In anderen Genres dagegen funktioniert auch ein Smartphone. (Siehe diesen Blogpost). Aber nicht bei Konzerten.

Also was braucht's an Ausrüstung? Eine DLSR oder DLSM und mindestens zwei Zoom-Objektive. Oder mehrere Festbrennweiten. Die haben den Vorteil, dass es sie in lichtstärkeren Versionen gibt als Zooms. Aber dann braucht es eben ein, zwei mehr. Weitwinkel, kleines Tele (85 bis 105 mm Brennweite) und ein Tele zwischen 150 und 200 mm. Ich verwende bei solchen Aufträgen zwei Zooms (16-55 mm und 50 bis 140 mm). Mit meiner Fuji X-Pro2 mit ACP-Sensor entspricht das im Vollformat den genannten Werten von 24 bis 200 mm. Für besondere Weitwinkel-Aufnahmen hab ich noch ein 12-24 mm Zoom dabei, das im Vollformat 18 bis 36 mm entspricht. Damit sind 95 Prozent aller in Frage kommenden Situationen abgedeckt. Die Fotos dieses Beitrags enstanden genau mit diesen Objektiven und Brennweiten im ACP-Format zwischen 16 mm und 140 mm.